14. Oktober 2019

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Fördertopf trockengelegt


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Sie verenden lautlos. Fische können keinen Mucks von sich geben. Sie verschwinden einfach, sterben aus. Bis 2050 wird für Oberösterreichs Gewässer, die in vier Jahrzehnten schon um zwei Grad wärmer geworden sind, ein Anstieg um weitere 2,8 Grad vorausgesagt. Was das bedeutet, lesen Sie auf dieser Seite.
Die Hitze bringt auch die Fische um. Ihr Lebensraum befindet sich in einem viel schlechteren Zustand als es die im Sommer immer verbreiteten Meldungen von der guten Wasserqualität vermuten ließen. Nur noch 3,6 Prozent von Oberösterreichs Gewässerstrecken weisen einen sehr guten ökologischen Gesamtzustand auf, österreichweit sind es immerhin 19 Prozent. Zu diesem Befund tragen auch Oberösterreichs knapp 900 Wasserkraftanlagen bei, von denen die 29 größten etwa genauso viel Strom liefern wie der gesamte Rest. Mit 81,6 Prozent des technisch nutzbaren Wasserkraftpotentials weist unser Bundesland den höchsten Ausbaugrad auf. Durch Modernisierung und mehr Effizienz bei den Großkraftwerken könnte man sich viele Kleinstkraftwerke sparen, was auch dem Fischbestand zugute käme. Wassererwärmung hin oder her.
Lobenswert ist jedenfalls das vor wenigen Tagen vorgestellte Regionalprogramm zum Schutz von Oberösterreichs Gewässerstrecken. Dafür wurden jahrelang 1.240 Fluss-Kilometer an 30 größeren und mittleren Gewässern untersucht. Das Programm hat den Schutz intakter Flussgewässer zum Ziel und wird auch vom World Wide Fund for Nature (WWF) als vorbildlich bezeichnet.
Für nachhaltigen Gewässerschutz wäre aber noch viel mehr notwendig. Vor allem, was die Sanierung der vielen ökologisch belasteten Gewässer betrifft. Dafür gibt es den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP). Dieser war von 2009 bis 2015 mit 140 Millionen Euro dotiert. Dann wurde er von der Bundesregierung trockengelegt, auf null gestellt. Denken Sie daran, wenn Ihnen jetzt im Wahlkampf das hohe Lied vom Klimaschutz gesungen wird.