06. August 2020

AKTUELLES

Auch Land OÖ erhält Medizingüter nur gegen Vorkasse

China nützt Notlage aus: Zuerst Geld, dann Ware!

Dank Corona spielt im Wettstreit um medizinische Verbrauchsgüter der Weltmarkt verrückt: Preise explodieren, Gauner mischen mit, große Länder tricksen kleine aus, die Erste Welt bremst die Dritte aus. Ohne Vorkasse geht in China nichts mehr. Oberösterreich hat in diesen Wochen um 65 Millionen Euro eingekauft.


Zu Ostern landeten zwei AUA-Maschinen aus Shanghai in Linz. An Bord waren 2,5 Millionen Schutzmasken, 1,6 Millionen Untersuchungshandschuhe und 6.000 Schutzoveralls. Das Empfangskomitee (v. l.): Beschaffungskoordinator Mag. Karl Lehner, LH Mag. Thomas Stelzer, OÖG-Chef Dr. Franz Harnoncourt.

Zuerst fließen Millionen, dann kommt - hoffentlich - die Ware. Dieses Spiel kennt Mag. Karl Lehner mehr als ihm lieb ist. „Ich bin seit 40 Jahren im Gesundheitswesen tätig. Aber so etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt,“ sagt der 58-jährige Geschäftsführer der OÖ-Gesundheitsholding (OÖG).
Lehner ist Technischer Direktor der OÖG und hat derzeit einen der schwierigsten Jobs im Lande. Er wurde als Leiter der Stabstelle Beschaffung von LH Mag. Thomas Stelzer beauftragt, für ganz Oberösterreich den Kauf und die Logistik für medizinische Verbrauchsgüter zu koordinieren.
Karl Lehner und sein fünfköpfiges Team müssen  Beatmungsgeräte, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Untersuchungshandschuhe, Schutzbrillen, Overalls, Gesichtsschilder … heranschaffen.
Und zwar nicht nur für die sechs OÖG-Krankenanstalten und deren 14.500 Mitarbeiter. Lehner & Co sind während der Krise auch für die Nachrüstung aller anderen oberösterreichischen Spitäler, Alten- und Pflegeheime, mobilen Dienste, niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte, Apotheken, Landespolizeidirektion, mehr als 900 Feuerwehren, die Bestatter und Unternehmen der „kritischen Infrastruktur“ verantwortlich.
Damit ist man nicht gerade ein kleiner Mitspieler am Weltmarkt, trotzdem „gibt es Ware aus China nur noch nach Vorkasse,“ erklärt Karl Lehner. „Alle unsere Partner haben aber langjährige Erfahrung am chinesischen Markt. Wir können ja nicht das Geld der Steuerzahler einfach über 12.000 Kilometer überweisen.“
Im April sind vier Flugzeuge aus China mit Ware für Oberösterreich in Wien und Linz gelandet.  Ein erhebliches Auftragsvolumen wurde an oberösterreichische Unternehmen vergeben, von denen viele neu ins Geschäft mit medizinischen Gütern eingestiegen sind. Insgesamt hat Oberösterreich im Zuge von Corona in den letzten Wochen auf diesem Sektor für 65 Millionen Euro eingekauft.