06. August 2020

AKTUELLES

Fledermaus steht in OÖ vor dem Aus

Die Fledermaus war’s! Von ihr ist in China das neue Corona-Virus auf den Menschen übergesprungen. In Oberösterreich sind diese faszinierenden Tiere, die mit den Ohren „sehen“, vom Aussterben bedroht. Sie stehen auf der Roten Liste. Weltweit gibt es etwa 1.000 Fledermausarten, in unserem Bundesland sind noch 21 nachgewiesen.


Die Zoologin Mag. Isabel Schmotzer aus Pichl bei Wels studiert unter anderen die vom Aussterben bedrohten Bechsteinfledermäuse, die mit ihren großen Ohren ausgezeichnet hören.

Fledermäuse leben auf nahezu allen Kontinenten und sind wichtige Akteure im Ökosystem: Sie fressen schädliche Insekten, bestäuben Pflanzen, verbreiten Samen und bringen Nährstoffe in Böden ein. Doch die fliegenden Säugetiere haben - aus der Sicht des Menschen - auch eine dunkle Seite: Sie sind Wirte für viele potenziell gefährliche Viren. So gehen Ebola-Ausbrüche, SARS, MERS und auch die aktuelle Corona-Pandemie auf Fledermausviren zurück.
Weil der Mensch die Lebensräume der Wildtiere immer mehr einschränkt, bringt er sich selbst in (Viren-)Gefahr und die Natur aus dem Gleichgewicht. Dann geht es Pflanzen und Tieren an den Kragen. Auch in Oberösterreich wird es für viele heimische Arten knapp. Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere stehen auch die Fledermäuse ganz oben.
„21 Fledermausarten sind in Oberösterrreich noch nachgewiesen,“ weiß Mag. Isabel Schmotzer aus Pichl bei Wels. Die 42-jährige Zoologin von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung kennt diese geschützten Tiere bestens. Seit 2008 ist sie ihnen auf der Spur. Die meisten „Fledis“ leben noch im Machland, im Naturpark Obst-Hügel-Land und im Nationalpark Kalkalpen.
Fledermäuse ziehen sich tagsüber in (Baum-)Höhlen, Felsspalten, Dachböden, Nischen und Ruinen zurück, nachts gehen sie auf Insektenjagd. Intensive Landwirtschaft und Verbauung zerstören ihren Lebensraum in unseren Breiten nachhaltig. Die „Flattermänner“, die bis zu 30 Jahre alt werden, finden weniger Nahrung und schwer geeignete Behausungen.
Erste Konsequenz davon ist, „dass sie weniger Nachwuchs bekommen,“ erzählt Isabel Schmotzer. Sie bestückt die Tiere teilweise für einige Tage mit Peilsendern, um ihre Jagdgebiete kennen zu lernen. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn die wendigen Flieger hören sehr gut und horchen die Tricks der Forscher mit den Fangnetzen aus.
Spannende Einblicke in das Leben der Fledermäuse bietet die „Bat-Night“ als Naturschauspielveranstaltung unter der Führung von Julia Kropfberger am 27. Juli (20 bis 22.30 Uhr) in St. Marienkirchen an der Polsenz im Naturpark Obst-Hügel-Land. Zehn Plätze sind noch frei, der Termin am 30. Juli ist bereits ausgebucht. Für Gruppen gibt es individuelle Termine. Infos: www.naturschauspiel.at oder 07249/47112-25.